In der Enquete-Kommission Internet & digitale Gesellschaft wurde heute in einer öffentlichen Sitzung unser Antrag zu mehr Beteiligungsmöglichkeiten diskutiert und (mehr oder weniger) zur Abstimmung gestellt. Unser Antrag der fünf Sachverständigen wurde leider durch einen Änderungsantrag von padeluun verwässert und unser Antrag wurde dadurch erst gar nicht zur Abstimmung gestellt. Diesem konnte ich nicht zustimmen, weil dadurch unser Antrag unverbindlicher wurde und wir in der Diskussion und im Beschluß in der Enquete schon weiter waren. Zumal die ganze Sitzung äusserst merkwürdig war und die Koalition viele Geschäftsordnungstricks angewendet hat, um bloß nicht unseren Antrag zuerst abstimmen zu müssen. Dem Kompromissvorschlag haben die Abgeordneten und Sachverständigen von FDP, Union und SPD zugestimmt. Das ist schade, denn für unserem Originalantrag hätten wir eine Mehrheit gehabt, wenn alle fünf Antragsteller auch dafür gestimmt hätten. Nachhören kann man die Sitzung in zwei MP3: 1 / 2 Jetzt gibt es wieder eine Arbeitsgruppe (Fühle mich wie in einer Zeitleiste, weil die gab es schonmal, was zum ursprünglichen Beschluß pro Adhocracy führte), die dann nicht-öffentlich weiterreden soll. Leider wurde so eine Chance verpasst, heute für mehr tatsächliche offizielle Enquete-Partizipation zu stimmen und nicht wieder alles etwas unverbindlich in die Zukunft zu verschieben. Hier sind zumindest die Passagen aus dem Beschluß, die Vorher- / Nachher zeigen. In dem dann abgetimmten Antrag gibt es einige weitere Stellen, die abgestimmt wurden. Beschluß Originalantrag: Die Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ beauftragt die Sachverständigen der Online-AG sowie das Sekretariat in Kooperation mit den Entwicklern von Adhocracy mit der Einrichtung des Beteiligungswerkzeuges. Die Kommission wird dies gemäß dem Beteiligungskonzept vom 13. September zur Online-Beteiligung der Kommission nutzen. Gleichzeitig wird die Kommission zeitnah eine Arbeitsgruppe zur Online-Beteiligung einrichten und verbindliche Verfahren und Prozesse definieren, um die Beteiligung sicherzustellen. Beschluß Kompromissvorschlag: Die Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ begrüßt den Vorschlag der Sachverständigen der Online-AG , zusammen mit den Entwicklern von Adhocracy ein Beteiligungswerkzeug einzurichten. Die Kommission wird dies gemäß dem Beteiligungskonzept vom 13. September zur Online-Beteiligung der Kommission neben ihren bestehenden Beteiligungsmöglichkeiten im Rahmen des Online-Angebotes des Deutschen Bundestages nutzen und beauftragt das Enquete-Sekretariat dies zu unterstützen. Gleichzeitig wird die Kommission heute eine Arbeitsgruppe zur Online-Beteiligung einrichten und verbindliche Verfahren und Prozesse definieren, um die Beteiligung sicherzustellen. (Man lese den Kompromiss bitte mit Politikersprech und zwischen den Zeilen, um die Änderung zu verstehen). Constanze Kurz vom Chaos Computer Club kommentiert die Sitzung im Anschluß für uns: “Selten wurde so deutlich, dass nach außen gern lauthals betont wird, daß die Bürger zu beteiligen sind. Aber praktisch wird gemauert und aktives Mitmachen hintertrieben. Es wird eine weitere Arbeitsgruppe eingerichtet, die nur der Verzögerung dient”. Hier ist der Live-Bericht zur Sitzung, der nochmal etwas genauer das Chaos beschreibt.
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Enquete-Kommission verzögert Adhocracy und mehr Beteiligung
http://www.netzpolitik.org/2011/enquete-kommission-verzogert-adhocracy-und-mehr-beteiligung/
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February 21 2011, 4:20pm | Comments »
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Gesucht: Beispiele für Künstler-Geschäftsmodelle mit Offenheit
http://www.netzpolitik.org/2011/gesucht-beispiele-fur-kunstler-geschaftsmodelle-mit-offenheit/
Die Enquete-Kommission Internet & digitale Gesellschaft hat eine Arbeitsgruppe Urheberrecht. Für den Zwischenbericht soll es ein Kapitel über neue Geschäftsmodelle für Künstler geben, was ich übernommen habe. Meine Vorgehensweise wäre eigentlich, ein Pad zu eröfnnen und alle einzuladen, daran kollaborativ mitzuschreiben. Das darf ich aber leider nicht, denn die Texte sollen von den Sachverständigen alleine geschrieben werden. Nun hat man dabei als Netzaktivist gegenüber den meisten anderen Mitgliedern der Enquete den Nachteil, dass man nicht auf einen Stab von Mitarbeitern der eigenen Lobbyorganisation oder des eigenen Bundestagsbüros zurückgreifen kann, die dann (heimlich) beim Schreiben mithelfen. Dafür hab ich dieses Blog und die Kommentare und lade einfach alle ein, mir Hinweise zu geben, welche spannenden Projekte ich in dem Text mit auflisten soll. Eine Menge hab ich schon im Hinterkopf. Grob formuliert kann man diese in verschiedene Blöcke einteilen: - Erschaffung von Mangel, wo es sonst keinen gibt (limitierte Deluxe-Sets, Nine Inch Nails, etc) - Promo für andere Verkaufswege, Einbindung von Communities (Cory Doctorow, Nine Inch Nails, etc.) - Crowd-sourcing und -funding (Flattr, Kickstarter, Musopen, Vodo, SellYourRights, Sell-a-Band, Nina Paley) - Fair-Trade-Modelle für Musik und Film (MICA, Magnatune, OnlineFilm) - Streaming (Last.fm, Spotify, Simify.de) Welche Beispiele sollte ich noch unbedingt mit reinnehmen und kurz beschreiben? Gibt es noch einen Block, den ich vergessen habe?
February 14 2011, 7:06pm | Comments »
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Der emotionale Wert eines Megabytes?
http://www.netzpolitik.org/2011/der-emotionale-wert-eines-megabytes/
Bei Sueddeutsche.de gibt es ein Interview mit dem Chef des Netzwerk-Ausrüsters Alcatel-Lucent, Ben Verwaayen, über “Netzneutralität? Bald kein Thema mehr“. Alcatel-Lucent hat ja ein Eigeninteresse daran, dass Netzneutralität abgebaut wird, weil sie u.a. die passende Technik für Netzwerkmanagement für die “neuen Geschäftsmodelle” anbieten, die dann “Diensteklassen”, etc. haben sollen. Interessant ist die Ansicht, dass man jetzt Megabytes einen emotionalen Wert geben möchte. Dieses Bildnis hab ich das letzte Mal von der Musikindustrie gehört: SZ: Das sagen Sie, weil Ihre Industrie am meisten darunter leidet. Verwaayen: Ja, wir verkaufen Megabytes, aber niemand kann sich vorstellen, was ein Megabyte ist. Wir müssen diesem Nichts einen emotionalen Wert geben, zum Beispiel, indem wir es ermöglichen, dass man überall in der Welt seine Familie auf den Bildschirm holen kann. Dann hat ein Megabyte einen fühlbaren Wert. Dann ist jeder bereit, dafür zehn Cent auszugeben. Wir müssen solche neuen Dienste finden, die attraktiv genug sind, um damit Geld zu verdienen. Und auch ein anderes Bild ist wieder dabei: Die Netzkapazitäten reichen nicht! SZ: Der Kunde will Videos und Bilder versenden, Sie wollen dafür Geld sehen. Läuft das auf ein Internet der zwei Geschwindigkeiten hinaus, ein kostenloses langsames und ein hochwertiges teures? Verwaayen: Die Debatte um die Netzneutralität gibt es nur, weil die Kapazitäten nicht reichen. Stocken wir die Kapazitäten massiv auf, ist das kein Thema mehr. Wir müssen Netze für Videoverkehr bauen, die auch interaktiv sind. Das wird eine Wissensgesellschaft schaffen. Der Arzt, der Ihre Röntgenaufnahme analysiert, sitzt künftig vielleicht nicht mehr in Ihrer Heimatstadt, sondern in Indien. Und Sie konsultieren ihn online. Die Netzkapazitäten sind aktuell ein Running-Gag in der Arbeitsgruppe Netzneutralität der Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag. Viele Industrievertreter reden davon, aber niemand kann das beweisen. Selbst wenn man die Industrie nach belastbaren Zahlen fragt, kommt da nichts, was nicht sofort in sich zusammen fällt. Und solange mir und anderen dort keine Belege für diese These vorgelegt wird, glauben wir die Behauptung einfach nicht und kommen u.a. deshalb auch zu ganz anderen Schlußfolgerungen in dieser Debatte. Aber die Industrie wiederholt die Behauptung mantraartig und viele Politiker glauben das, weil es ja oft genug gesagt wurde.
January 19 2011, 10:42am | Comments »
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