Von Lt. Col. Dan Ward, USAF Aus dem Englischen übersetzt von Stefan SasseBeschaffungslektionen aus einer weit entfernten GalaxisNachdem sie die Endschlachtszene in “Die Rückkehr der Jedi-Ritter” zum ersten Mal gesehen hatte, erklärte meine achtjährige Tochter: “Die sollten diese Todessterne nicht mehr bauen. Die werden jedes Mal in die Luft gejagt.” Sie ist vielleicht noch etwas zu klein für die Sturmtruppen, aber sie hat Recht.Ja, das Imperium sollte damit aufhören, Todessterne zu bauen. Es zeigt sich, dass das Verteidigungsministerium sie auch nicht bauen sollte, metaphorisch gesprochen. Welche Art von Waffensystem passt überhaupt in diese Kategorie? Ich werde der Versuchung widerstehen, explizite Beispiele zu geben und stattdessen einfach behaupten, dass jedes gewaltige Projekt, das gehirnschmelzend komplex ist, unersättlich Ressourcen verschlingt und darauf abzielt, eine unbesiegbare Waffe zu werden, auf dem besten Weg ist, ein Todesstern zu sein – und das ist keine gute Sache.Warum sind Todessterne eine dumme Idee? Der Hauptkritikpunkt erstreckt sich auf zwei Kategorien: eine operative und eine der programmatischen Ausrichtung. Die operativen Mängel der todgeweihten Kampfstationen des Imperiums sind allgemein bekannt und weithin verspottet. Ihre programmatischen Mängel sind weniger bekannt, aber der Erörterung wert. Wir werden uns im Folgenden beides ansehen.Operative Bewertung des TodessternsDer in Episode IV eingeführte Todesstern hat sein beeindruckendes Debüt, als er den Planeten Alderan vaporisiert – der einzige Moment, in dem er jemals seine Hauptbewaffnung auf einen Planeten abfeuert. Kurz danach wird die gesamte Station, mit 1,2 Millionen Menschen an Bord, von einem einzelnen Schuss eines halb ausgebildeten Jedi vernichtet. Das ist es, was wir eine kritische Verwundbarkeit nennen, und es ist Gegenstand unnachgiebiger Fan-Verachtung. Die Leistungen des zweiten Todessterns im Kampf waren sogar noch unbeeindruckender. Obwohl er deutlich größer war als das Original, wurde er von den Rebellen vernichtet bevor er seinen Planetenvernichtungslaser ein einziges Mal abfeuerte. Soviel zum Thema “voll gefechtsbereit”.OK, der Todesstern ist vorranging eine Waffe der Einschüchterung und nicht etwas, das man mir nichts, dir nichts einsetzt. Selbst das böse Imperium wollte nicht mehr als eine handvoll Planeten vernichten. Deswegen muss die Tatsache, dass der Todesstern nur einen Schuss abgefeuert hat, keine große Sache sein. Die Tatsache, dass beide Stationen in die Luft gejagt werden, ist dagegen durchaus eine große Sache. Es ist schwierig, einschüchternd zu wirken, wenn man aus einer Trümmerwolke besteht.Man könnte sich fragen, wie eine angeblich so mächtige Waffe eine so ärmliche Leistungsbilanz und eine so offenkundige Schwäche aufweisen kann. Trotz der Meinung gewisser Kritiker sind diese Mängel kein billiges Plotvehikel, das von einem faulen Drehbuchschreiber geschaffen wurde. Tatsächlich ist die Todesstern-Kombination von Unzulänglichkeit und Verletzlichkeit der zweit-realistischste Aspekt der gesamten Saga.Aus einer Designperspektive ist ein System von der enormen Komplexität eines Todessterns mehr, als ein einzelner Programmierer oder Oberarchitekt im Überblick behalten kann, ganz egal wie hoch der Anteil an Midi-Chlorianen in seinem Blut ist. Es wird zwangsläufig ein oder zwei übersehene Schächte geben, die direkt zum Reaktorkern führen. Und das ist genau die Art Verwundbarkeit, die ein assymetrischer Gegenspieler ausnutzen kann. Meiner professionellen Konstruktionsmeinung nach ist eine Verwundbarkeit dieser Art unvermeidbar. Wie es C-3PO sagen würde: die Chancen, dass man ein so komplexes und großes System bauen kann ohne etwas Derartiges zu übersehen liegen bei 3720 zu 1! Der resultierende Fehler mag nicht so dramatisch sein wie George Lucas sich das vorgestellt hat, aber selbst eine Fehlfunktion im Lebenserhaltungssystem oder in der Navigationssoftware kann auf ihre ganz eigene Art unterhaltend sein.Ausrichtung des TodessternsDer glanzlose Beitrag des Todessterns zum Kampf ist Grund genug, nie einen zu bauen, aber ernsthafte Probleme traten bereits auf lange bevor er gefechtsbereit war. In “Die Rückkehr der Jedi-Ritter” erhalten die Zuschauer einen faszinierenden Einblick in die Ausrichtung von Beschaffungen im Imperium. In der realistischsten Szene der gesamten Doppeltrilogie beschwert sich Darth Vader darüber, dass das Todesstern-Projekt…dem Zeitplan hinterher hinkt. Tatsächlich spielt sich viel von dem Drama von Episode VI rund um diese Verzögerung ab.Betrachten wir die Auswirkungen der berühmtesten Verzögerung der Popkultur. Im Star-Wars-Universum sind sich Roboter ihrer selbst bewusst, jedes Schiff verfügt über seine eigene Schwerkraft, Jedi-Ritter benutzen die Macht, kleine grüne Muppets sind herausragende Krieger und ein Schrotthaufen wie der Millenium Falcon macht den Kessel Run in unter 12 Parsec. Aber selbst die lebendige Fantasie eines George Lucas reichte nicht aus, um sich ein Projekt wie das des Todessterns auszumalen und es innerhalb des geplanten Zeitrahmens fertig werden zu lassen. Er wusste, dass das einen Jedi-Gedankentrick erfordern würde, der jenseits selbst Yodas Fähigkeiten läge und das Publikum in blankem Unglauben zurückließe.Um es noch schlimmer zu machen stellt sich kurz darauf heraus, dass es die Anwesenheit eines Sith-Lords braucht, um das Projekt wieder auf Linie zu bringen. Ich versichere Ihnen, wenn der Erfolg eines Projekts davon abhängt jemanden einzustellen, dessen erster Name “Darth” ist, dann haben Sie ein Problem. Nicht nur, weil Sith-Lods nicht existieren, sondern weil sie böse sind.Ich hab da ein echt mieses GefühlWenn man die 14 Stunden mitrechnet die ich gebraucht habe um alle sechs Filme noch einmal anzusehen habe ich für diesen Artikel vermutlich mehr Recherche betrieben als für alle anderen Projekte, an die ich mich gerade erinnern kann. Während dem Teil der Recherche, die kein Popcorn beinhaltete war ich überrascht zu entdecken, dass diverse Blogs und veröffentlichte Artikel Darth Vader für seine strategischen Fähigkeiten priesen.Man sollte annehmen, dass Darth Vader für nichts anderes als Beispiel taugt denn für Erlösung. Von dem Moment, in dem er seinen schwarzen Helm aufzieht bis zum Moment seiner (Spoiler-Alarm!) herzerwärmenden Sterbeszene ist er ein vollständiger Bösewicht. Trotzdem sieht es so aus, als ob viele Fans ziemlich ungeschickte Lektionen von diesem Charakter gelernt haben.Ein Artikel im “Project Magazine” mit dem Titel “Wenn er [nur, Anm. d. Übersetzers] tut was er kann, hole Darth Vader” bejubelte Vaders Fähigkeit, ein schleppendes Projekt herumzureißen. Ein anderer Ausrichtungsmanagmentprofi schrieb sehnsüchtig: “Wenn doch nur mehr Projektmanager die Präsenz hätten und den Respekt gebieten würden, die Darth Vader ausstrahlte…” Äh…haben sie die Filme gesehen? Ich denke nicht, dass wir Projektmanager wollen, die in schwarzem Cape und Rüstung herumlaufen. Klar, ich kenne Leute die denken, sie wären auf einer Stufe mit Vader, aber ich kann Ihnen versichern, das ist ein Weg den wir nicht gehen sollten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er zu großem Leid führt.Einige Autoren priesen Vaders starke Kommunikationsfertigkeiten und zeigten auf, dass er permanent dafür sorgte, dass “der Imperator mit täglichen Statusberichten up-to-date gehalten wurde”. In einer ähnlichen Art wurde mir erzählt, dass unter Mussolini alle Züge pünktlich waren. Selbst wenn das wahr wäre (und das ist es nicht), er würde noch lange kein gutes Vorbild abgeben.Mehr als ein Autor lobte unerklärlicherweise Vader’s Führungsstil und übersieht bequemerweise, dass seine bevorzugte Motivationsmethode in der Anwendung von telekinetischen Würgegriffen bestand. Eine fehlgeleitete Seele beschrieb Vader gar als “autoritäre Persönlichkeit, die Respekt gebietet”. Eine exaktere Beschreibung wäre “ein mörderischer Tyrann, der Unterwürfigkeit gebietet”. Das ist ein Unterschied.Glücklicherweise hat ein Blog-Kommentator mit dem ungewöhnlichen nom de net “Luke” die Weisheit gehabt darzulegen, dass “alle Projekte, die Sith Lords entwerfen wie Todessterne enden” werden. Ich nehme an, er meinte damit “glühende Felder voller Weltraumschrott”, aber es ist möglich, dass er auch “über dem Budget, hinter dem Zeitplan und vor Akt II in die Luft gejagt” meinte. Online-Luke hat wahrscheinlich Recht: dunkle Lords bauen Todessterne. Ich glaube, das Gegenteil ist ebenfalls wahr: Todessterne bauen lässt Projektmanager als dunkle Lords enden. Wenn dem so ist, dann ist es nur ein weiterer Grund, es einfach zu lassen.Ein Jedi sehnt sich nicht nach solchen SachenNun, ein paar der von mir zitierten Kommentatoren schrieben sicherlich ironisch. Es scheint mir aber einen ernsthaften, unterschwelligen Glauben daran zu geben, dass a) Todessterne coole Ingenieursprojekte waren und b) Darth Vader ein guter Anführer war, der Zeug erledigt bekommen hat. Ich kann die enthusiastischen Fanboys und Fangirls diesen Glauben verzeihen, aber als professionelle Militärtechniker wissen wir es besser.Denken Sie daran, dass selbst das Imperium mit seinen gewaltigen Ressourcen und der vollen Macht der Dunklen Seite nur einen Todesstern gleichzeitig bauen konnte. Zwei zur selben Zeit zu bauen war offensichtlich mehr, als es bewerkstelligen konnte. Das erinnert mich an Norm Augustines berühmte Vorhersage, dass an einem bestimmten Punkt der gesamte Verteidigungshaushalt für den Kauf eines einzigen Flugzeugs draufgehen würde, das sich dann alle Arme des Militärs teilen müssen. Das Imperium hat es offensichtlich geschafft, diese Singularität vor langer, langer Zeit zu erreichen. Ich bin nicht davon überzeugt, dass diese Leistung echten Fortschritt signalisiert.Die Wahrheit ist, dass Todessterne so praktisch wie ein Metallbikini sind. Klar, sie sehen cool aus, aber sie sind nicht besonders vernünftig. Um genau zu sein, Todessterne können unmöglich rechtzeitig oder innerhalb des festgesetzten Budgets gebaut werden, benötigen pathologische Führungsstile und, wie wir gesehen haben, werden sie in die Luft gesprengt. Außerdem kann niemand genug von ihnen bauen, als dass sie im Feld tatsächlich einen echten Unterschied bewirken würden.Um es kurz zu machen: Todessterne sind unbezahlbar. Ob wir nun über eine fiktive weit entfernte Galaxis sprechen oder von Bedingungen hier auf dem Planeten Erde, ein Todessternprogramm wird immer mehr kosten als es einbringt. Eine Investition dieser Größenordnung kann nicht unterhalten werden und ist völlig hilflos, wenn ein Wamp-Ratten jagender Bauernjunge einen Glückstreffer landet. Wenn eine Station die gesamte Flotte repräsentiert (oder auch nur fünf Prozent davon), dann wurden zu viele Eier in denselben Korb gelegt und wir sind auf dem besten Weg, jemanden das letzte Mal zu enttäuschen.Die Antwort ist nicht, mehr davon zu bauen, teilweise weil es einfach nicht geht und teilweise, weil das gesamte zugrundeliegende Konzept mangelhaft ist. Anstatt Todessterne sollten wir lieber die erfolgreichste Technologie der gesamten Saga imitieren: R2-D2.Die Droiden, die wir suchenMeine exzessiven Recherchen haben ein Interview zutage befördert, in dem George Lucas R2-D2 als “den Helden der ganzen Geschichte” bezeichnet. Zuerst fand ich diesen Kommentar merkwürdig, denn in meinen Jugendstunden voll Star Wars nachspielen wollte nie jemand ein astromechanischer Droide sein. Wir wollten alle Luke sein. Aber trotzdem, wenn man genauer hinsieht erkennt man, dass Erzwo in den Filmen eine beeindruckende Tendenz an den Tag legt, Alles zu retten, Szene für Szene. Ob er nun den Hyperantrieb des Millenium Falcon repariert, ein Paar von Super-Kampfdroiden ausschaltet, eine geheime Nachricht an Obi-Wan Kenobi überbringt oder Luke sein Lichtschwert im entscheidenden Moment auf Jabbas Segelbarke zukommen lässt, er hat immer ein Ass im Ärmel.Als der junge Anakin Padme aus Coruscant herausgeschmuggelt hat und sie mit den Worten “Keine Angst, wir haben Erzwo dabei” beruhigte, war er nicht ironisch. Kein anderer Charakter, biologisch oder mechanisch, ist so verlässlich. Wenn ich einen Todesstern in einem X-Wing angreifen würde, wöllte ich eine gute R2-Einheit an Bord haben.Unsere letzte HoffnungJa, es gibt viele Mängel in den Star Wars Filmen – ich meine dich, Jar Jar Binks – aber R2-D2 als den Helden zu betrachten ist keiner davon. So wie die Verwundbarkeit und Unzulänglichkeit des Todessterns absolut realistisch sind korrespondiert auch die operative Überlegenheit eines einfachen Droiden mit der Erfahrung der Praxis. Wieder und wieder neigen kriegsgewinnende Waffen dazu, klein, billig und einfach zu sein.Die Einfachheit eines astromechanischen Droiden macht ihn verlässlich, und seine lange Geschichte an Kampfeinsätzen macht ihn robust und überall nützlich. Betrachten wir Erzwos zurückhaltendes Design. Er hat keine schicken Sprachprozessoren; Piepser und Quietscher reichen. Er hat weder Panzerung noch Gesicht. Erzwo ist pure Funktion. Er hat keine überflüssigen Features, keine unnützen Teile. Er ist nicht einmal besonders groß und beweist erneut Yodas Diktum “Größe bedeutet nichts”.Betrachten wir Folgendes: ein Todesstern ist eine Waffe eines Imperiums, die darauf abzielt, Gegner bis zur Unterwerfung einzuschüchtern. Droiden sind eine Technologie der Republik. Sie schüchtern niemanden ein. Stattdessen verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt dadurch, dass die praktisch und nützlich sind. Bei Droiden geht es Finesse, bei Todessternen um brutale Gewalt. Angesichts der aktuellen Weltlage ist es Finesse, die wir brauchen.Droiden sind nicht teuer, ihre Voraussetzungen nicht übertrieben. Man könnte argumentieren, dass ein Droide nicht tun kann, was ein Todesstern tut, aber letztlich haben die Todessterne nicht viel getan. In der Schlussabrechnung tut ein Droide wie Erzwo mehr als für was er ausgelegt ist, ein Todesstern weniger. Viel weniger.Wenn du deine Arme behalten willst, lass den Wookie gewinnen. Wenn du effektive Waffensysteme entwickeln und produzieren willst, baue Droiden und keine Todessterne. Der Schlüssel ist, Zurückhaltung zu zeigen und unsere Bedürfnisse auf die essenziellen Bedürfnisse zu beschränken anstatt auf eine endlose Liste an Begehrlichkeiten zu schielen, innerhalb des Budgets zu bleiben und der Versuchung zu widerstehen, den Zeitplan auszudehnen. Klar, es ist schwierig dem Imperator Nein zu sagen wenn er schon wieder auf dem Bau eines Todessterns besteht, aber da die Macht nicht wirklich existiert sind die Chancen gut, dass man für diesen Ansatz nicht mit Blitzen traktiert wird.Es gibt alle möglichen Wege das Design zu vereinfachen, ein Set von Bedürfnissen auf das Minimum zu reduzieren und sicherzustellen, dass wir bauen, was wir uns leisten können. Sie glauben, das geht nicht? Da irren Sie. Aber diejenigen, die daran glauben, könnten gerade das System erfinden, das der “Held der der ganzen Geschichte” wird.Lt. Col. Dan Ward ist Abteilungsleiter des Science, Technology and Engineerng Directorare im Office of the Secretary of the Air Force for Acquisition. Er besitzt Abschlüsse in Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen. Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin “Defense AT&L”Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors und Defense AT&L Via Escapist und Wired. Dieser Feed wurde Euch präsentiert von© Stefan Sasse für den Spiegelfechter, 2011.
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Warum man keinen Todesstern bauen sollte
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September 15 2011, 3:00pm | Comments »
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USA: 5 Jahre Haft wegen Haftung für Links?
http://www.netzpolitik.org/2011/usa-5-jahre-haft-wegen-haftung-fur-links/
Vor einiger Zeit berichteten wir hier bereits von der neuen Taktik der US-Regierung, Domains wegen Copyright-Verstößen zu beschlagnahmen. Dieses Schicksal ereilte unter anderem auch die Domain channelsurfing.net, unter der Links zu Online-Streams von TV-Sendungen und Sport-Übertragungen veröffentlicht wurden. Wer die Seite aufruft, bekommt eine Sperrnotiz zu sehen. (Ähnlichkeiten zur Türkei sind sicher nur Zufall) Das war aber wohl erst der Anfang. Brian McCarthy, der Betreiber der Seite, wurde am Freitag verhaftet. Der Vorwurf lautet auf “kriminelle Copyright-Verletzung”, die mögliche Höchststrafe sind 5 Jahre Freiheitsentzug. Wohlgemerkt: McCarthy hat nie selbst gestreamt, sondern nur Links zu externen Seiten gesetzt. Das mag nun wie Haarspalterei klingen, aber die Folgen,wenn nun Links “illegal” werden, sind in ihrem Ausmaß kaum abzuschätzen. Nicht nur die die Frage, über wie viele Ecken ein Link noch strafbar sein sollen, illustriert, wie realitätsfern allein die Idee ist. Mache ich mich strafbar, wenn ich auf jemanden linke, der auf jemanden linkt, der…? Insbesondere, weil sich auch die Veränderung des Inhalts einer verlinkten Seite meinem Einfluss entzieht, ergäbe sich hier letztlich nur Sicherheit, wenn man gar nicht verlinkt. Um mal ein altbekanntes Mem anzustrengen: “Ohne Links ist das Internet aber weitgehend wertlos.”
Altbekannt sind auch hierzulande die Hinweise “Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seiten ggf. mit zu verantworten hat. Blah blah blah … Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seitenadressen … blah blah blah“, die in Ihrer Absurdität kaum zu überbieten sind. Der neue Ansatz des Departments of Homeland Security und des Departments of Immigration and Customs Enforcement gehen darüber weit hinaus. “Shoot the messenger” bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Demand Progress! hat eine Petition ins Leben gerufen und die Anklage veröffentlicht.
(Dank für den Hinweis an Jens Best)
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March 10 2011, 4:37pm | Comments »
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Netzneutralität: Was hat die FCC da eigentlich “geregelt?”
http://www.netzpolitik.org/2010/netzneutralitat-was-hat-die-fcc-da-eigentlich-geregelt/
Abigail Phillips von der EFF hat sich durch die gerade von der FCC veröffentlichten 200 Seiten der “Regelung” zur Netzneutralität gequält. Über viele Einzelheiten wurde im Voraus spekuliert, und die Spekulationen schienen auf den ersten Blick bestätigt. Leider bestätigen sie sich auch auf den zweiten Blick. Hier die Übersicht:
Kabelloses Internet. Hier gelten kaum Einschränkungen: So lange die Anbieter den Zugriff auf alle legalen Inhalte und Apps zulassen, insbesondere auch auf die von Konkurrenten, ist alles okay. Noch nicht einmal die Regel gegen “unangemessene Diskriminierung” greift – die Eingriffe müssen nur “transparent” gemacht werden. Insbesondere im Hinblick darauf, dass kabellose Netzzugänge in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen werden, ist frustrierend, dass hier keinerlei Netzneutralität auch nur im Ansatz vorgeschrieben wird. Siehe auch: Verizon/Google und “Der Markt wird’s schon richten.” Illegale Inhalte. Alle Regeln gegen Blockaden beinhalten die Beschränkung auf “legale Inhalte.” Sperren und Zensuren sind also weiterhin Tür und Tor geöffnet, sobald der Verdacht einer illegalen Aktivität wie Urheberrechtsverletzung im Raum steht. Siehe auch: Radikal/XS4all, Comcast oder zum Beispiel Wikileaks. Angemessenes Netzwerkmanagement. Wird zugelassen, so lange nicht blockiert oder unangemessen diskriminiert wird. Der Rest ist Auslegungssache. Die Gefahr, dass die Ausnahme zur Regel wird, besteht nicht nur, sie wird billigend in Kauf genommen. Siehe auch: Comcast oder iPlayer. Sonderdienste. Werden zugelassen, und zwar ohne Anti-Diskriminierungsregeln und ohne nähere Definition, was so ein Sonderdienst sein könnte. Siehe auch: Internet, Schminternet. Priorisierung gegen Bezahlung. Die FCC schreibt ausdrücklich, dass priorisierte Behandlung des Traffics eines (mehr) zahlenden Anbieters keine “unangemessene Diskriminierung” des Traffics von nicht (oder weniger) zahlenden Anbietern darstellen würde. Selbst wenn, wären solche Absprachen schwer im Wirrwarr der Peering- und sonstigen Verträge der verschiedenen Provider festzustellen oder technisch nachzuweisen. Siehe auch: Comcast kürzlich.
Fazit: Die Regelung begegnet kaum dem Problemen der Netzneutralität, und erschwert durch ihre reine Existenz das Finden besserer Lösungen: Die Angelegenheit ist ja jetzt “geregelt”. Die traditionell (und auch aus guten Gründen) FCC-kritischen Amerikaner befürchten außerdem dass jetzt, da man die FCC einmal ans Internet herangelassen hat, mit weiteren unsinnigen und kontraproduktiven Regulierungen zu rechnen ist.
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December 24 2010, 3:02am | Comments »
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Telkos-Traum: Zukunftsszenario ohne Netzneutralität
http://www.netzpolitik.org/2010/telkos-traum-zukunftsszenario-ohne-netzneutralitat/
Die Debatte um Netzneutralität spielt oft in der Zukunft. Debattiert wird, welche technischen Szenarien möglich sein werden, und wie man regulativ darauf reagiert. Die beiden Technikzulieferer Allot Communications und Openet, beide beliefern u.a. Verizon und AT&T in den USA (Keine Ahnung, ob die auch Technik für deutsche Telkos liefern?), haben in einem Web Seminar ein neues Produkt präsentiert, was ein technisches Szenario für die Zukunft sein kann. Wired wurde eine Powerpint-Päsentation mit dem Titel “Managing the unmanageable: monetizing and controlling OTT applications” (PDF) zugeschickt. Hier ist der dazu gehörige Artikel: Mobile Carriers Dream of Charging per Page. Die Idee dahinter ist recht simple: Einfach mal mit Deep-Packet-Inspections den kompletten Datenverkehr abhören und für einzelne Services Geld verlangen. Ist doch viel “gerechter”, wenn jeder nur das zahlt, was man tatsächlich nutzt, ist wohl die Argumentation. In der Grafik sieht man ein mögliches Bezahlmodellszenario. Nach diesem Modell zahlt ein Nutzer 2 Cent für jedes MB Facebook-Traffic, Skype kostet 3 Euro / MOnat extra, ein bandbreitenlimitierter Zugang zu Youtube kostet 50 Cent, wer schneller Videos haben möchte, kann sicherlich noch mehr Geld bezahlen, damit die Videos nicht mehr ruckeln. Eine tolle Idee ist auch die Einführung einer Happy-Hour, die quasi im Produkt eingebaut ist. Damit könne man die Internetnutzung aus Peak-Zeiten in Nebenzeiten verteilen. Nachts kostet alles nur die Hälfte!
Kommt alles bekannt vor? Seit einigen Jahren gibt es diese Grafik von Seiten der Netzneutralitätsbefürworter in den USA, die immer eher ein kleines Horrorszenario ausmalte für die Zeit, wo das Internet von den Telekommunkationsunternehmen zum Kabelfernsehen 2.0 umgebaut wird. Die aktuelle Präsentaton geht genau in die Richtung. Und ist keine Satire mehr, aber in kleinen Teilen auch schon Realität bei uns, wo T-Mobile z.B. Skype und andere VOIP-Services nur gegen Aufpreis zulässt. Ist dass das Internet, was wir wollen? Wired zitiert die Netzneutralitätsforscherin Barbara van Schewick vom Stanford Center for Internet and Society:: These models are bad from a public policy perspective. By imposing a higher price on the bandwidth needed for certain applications, the network providers effectively tax these applications, which may lead people to use them less than they normally would. This is bad for users because they cannot use the Internet in the way that is most valuable for them. This is bad for affected application providers because their market shrinks: They lose all those customers who would have used the application at the normal price of Internet transport, but who are not willing to pay the additional tax. But from the network provider’s perspective this pricing scheme increases their profits.
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December 19 2010, 10:42am | Comments »
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